Usain Bolt – Eine Hommage an eine lebende Legende und den Rockstar des Laufsports!

von Tankred Dankmar am 24. Februar 2017

Am 16. August 2009 ist es geschehen: Ein Athlet stellte einen neuen Weltrekord in der wohl ruhmreichsten, schillernsten und von den meisten verfolgten Laufsport-Disziplin auf – dem 100 Meter Sprint der Herren (Entschuldigung, die Damen, aber statistisch ist das leider so). Und jetzt dürfte ja auch schon jeder wissen, von wem hier die Rede ist. Genau. Usain Bolt, der Wunderläufer per Excellence. Manchen Kritikern nach gilt er sogar als größter Athlet aller Zeiten.

Bei der WM 2009 in Berlin stellt Wunderläufer Usain Bolt den neuen und bisher noch immer gültigen Weltrekord über 100 Meter auf – schön, wie er sich freut, wie hier auf dem Foto zu sehen ist.

Bild: GFDL

Keiner hat mehr Medaillien im Laufsport sammeln können. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften führt er den (bis jetzt) ewigen Medaillienspiegel an. Bei den Sommerolympiaden ist er mit an der Spitze, was die Anzahl der in drei Olympiaden eingefahrenen beziehungsweise zusammengelaufenen Medaillien angeht. Der Schwimmer Michael Phelbs hat tatsächlich noch ein paar mehr gewonnen, das ist auch so ein Wunderknabe, aber eben nicht im Laufen.

Da Usain Bolt nun verkündet hat, dass er seine Karriere beenden wird (nach der WM 2017 in London im August ist Schluss), gibt es also mehr als Grund genug, hier mal ein paar Worte über ihn zu verlieren.

Obwohl: Eigentlich hat er bereits vor Jahren angekündigt, dass er mit 30 Jahren seine Laufschuhe an den Nagel hängt und seine professionelle Karriere beenden wird. Der Mann wusste schon immer, was er will. An Selbstbewusstsein hat es diesem Typen wirklich noch nie gemangelt.

Ich persönlich bin ja eher Langstreckenläufer, aber mal ehrlich. Selbst jemand, der gar nicht läuft muss von diesem Wunderläufer einfach beeindruckt sein. Und es sind nicht nur diese unglaublichen Zeiten, die er da so zusammenläuft, diese, ja, übermenschlichen Laufleistungen, die er regelmäßig abliefert, nein, es ist auch dieser Stil neben der Strecke. Unvergesslich, wie er auf der Ziellinie zur Seite geblickt hat und in die Kamera gelächelt und dabei gewunken hat. Gefühlte 20 Seklunden später kamen seine Konkurrenten dann mal irgendwann nachgetorkelt, schwitzend, mit verbissenen Gesichtern, kämpfend, wo Usain Bolt aussah, als würde er gerade einen lockeren Spaziergang zum Zigarettenautomaten unternehmen. Laughing

Das geübte Auge sieht es sofort – Usain Bolt ist auch hier bei der WM 2015 In Peking einen guten Meter weiter vorne als seine Konkurrenten. Auf 100 Metern sind das Welten.

Bild: GFDL

Der Mann ist nicht nur ein Top-Athlet, er ist auch ein Rockstar mit einem Selbstbewusstein, für das er einen eigenen Mannschaftsbus braucht. Die Titanic wäre ihm wahrschelich nicht groß genug gewesen, oder zumindest höchstens angemessen. Wenn er einen Raum betritt, wenden sich ihm alle Blicke zu – was nicht nur an seiner stattlichen Statur und seinem perfekten Athletenkörper liegt, sondern vor allem an seinem Charisma.

Er ist der perfekte Sportler, ein Adonis und ein Achilles. Vergleichen könnte man vielleicht am ehesten noch mit Muhammad Ali. Der hatte auch kein Problem mit seinem Selbstbewusstsein, ganz im Gegenteil.

Genau das werfen Usain Bolt seine Kritiker ja auch vor. Das sind dann meistens diese Sport-Asketen-Spießer. Nach deren Meinung sollten Sportler nur für den Sport leben und höchstens mal schüchtern, ganz verschreckt, einsilbig und brav auf die Fragen von Sportreportern antworten und dabei wie ein scheues Reh in die Kamera blinzeln. Und immer nett lächeln. Aber das war nie das Business eines Usain Bolts. Er steht gerne im Rampenlicht und weiß sich dort auch ziemlich gut in Szene zu setzen. Und er weiß auch, das Leben neben der Strecke zu genießen.

Deshalb dürfte er wohl auch der bestbezahlte  Leichtathlet aller Zeiten geworden sein. In der Regel sind Leichtathleten ja keine schillernden Werbeträger und deshalb halbwegs uninteressant für die großen Budgets der großen Firmen. Wer kennt schon den Namen des besten Stabhochspringers seiner Zeit? Wer weiß jetzt noch, wer die olympische Goldmedaillie im Speerwurf beim letzten Mal gewonnen hat? Genau! Ich auch nicht.

Aber seit Usain Bolt auf der internationalen Bühne der Sprinter aufgetaucht ist, kennt man ihn. Hat man ihn einmal gesehen und erlebt, dann vergisst man ihn auch nicht mehr. UND SO kommt man eben auch an die fetten Werbeverträge. Völlig zu Recht, wenn Sie mich fragen.

Usain Bolt in seiner typischen Siegerpose, die sein Markenzeichen geworden ist – hier bei der WM 2011 in Rom.

Bild: Steven Zwerrink | CC BY-SA 2.0 

Usain Bolt hat eben nicht nur eine große Schnauze und nichts dahinter. Er hat eine gebührlich dicke Fresse und noch viel mehr dahinter.

Da kann ihm wirklich keiner böse sein, wenn er nach dem Sieg der Goldmedaillie auch noch ein bißchen rumpost und Faxen macht. Warum denn nicht? Warum sollte ein Sprinter sich nicht auch mal benehmen wie ein Fußballstar nach einem schönen Tor? Warum darf ein Leichtathlet nicht auch die fetten Batzen Werbegeld in die eigenen Taschen stecken? Warum sind sich die meisten Leichtathleten zu fein dafür, ein Stück vom zuckersüßen Kuchen einzupacken, den die Werbeindustrie doch so großzügig an alle anderen verteilt.

Stellen wir diesem Dünkel doch einmal die einzigartigen Erfolge des Usain Bolt entgegen:

  • Weltrekordhalter im 100-Meter-Sprint und der einzige Läufer, der bisher unter 9.60 Sekunden gelaufen ist – nämlich 9.58 Sekunden
  • Weltrekordhalter im 200-Meter-Sprint mit 19.19 Sekunden
  • In drei hintereinanderfolgenden Olympiaden, nämlich 2008, 2012 und 2016 hat er jeweils die Goldmedaille über 100 Meter UND 200 Meter gewonnen. Damit ist er der einzige Sprinter, dem die Verteidigung des ´Doubles´ ZWEIMAL gelang
  • Insgesamt holte er acht Goldmedaillien bei Olympia – neben den sechs über 100 und 200 Meter auch noch zwei mit der Staffel seines Landes Jamaika
  • Insgesamt 11 Goldmedaillien bei Weltmeisterschaften
  • Und wie gesagt ist er der bestbezahlte Leichtathlet aller Zeiten

Wer bei dieser außerordenlichen Leistung nicht den Hut zieht, hat wahrscheinlich vor nichts mehr Respekt. Denn Usain Bolt ist alles andere als eine Eintagsfliege, irgend so ein Sternchen, welches hell leuchtet und dann schnell verbrennt. Er hat die Szene über einen Zeitraum von über 12 Jahren fast im Alleingang dominiert, an ihm kam im wahrsten Sinne des Wortes keiner mehr vorbei. Für eine solch konstante Leistung braucht man kein Glück, sondern Können und viel, viel, viel Disziplin und Übung.

Und jetzt hört er also auf – was ziemlich schade ist, auf der einen Seite. Dem Laufsport wird etwas fehlen, der Sport verliert nicht nur seinen mit Abstand größten Athleten, sondern auch eine ganze Menge Glanz. Neben der Strecke dürfte es jetzt bedeutend langweiliger zugehen. Auf der Strecke wird es dagegen wahrschelich wieder spannender. Denn wenn Usain Bolt in einem Startblock auftauchte, war ja schon fast 100-prozentig klar, wer gewinnt.

Seine Gegner jedenfalls dürften beruhigt aufatmen. Jetzt haben Sie zumindest mal wieder einer Chance, mit um die Goldmedailiie zu rennen. Wink

Eine wunderschöne Körperstudie – Usain Bolt in vollem Gallopp bei der WM 2013 in Moskau.

Bild: GFDL

Ich finde es gut, dass er aufhört, wo er gerade ganz oben ist. Man sollte ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber normalerweise fällt genau das Spitzensportlern ja bekanntlich schwer und gerade im Falle von Usain Bolt hätte man meinen sollen, dass ihn sein Selbstbewusstein und seine Inszenierungswut daran hindern würden, jemals freiwillig das Handtuch zu werfen. Aber da sieht man mal wieder, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann. Usain Bolt hat während seiner Karriere alles richtig gemacht und tut dies auch jetzt, wo er sie beendet.

Hut ab! Du wirst mir fehlen. Ich hoffe, Du hast genauso viel Spaß, bei dem, was Du jetzt tun wirst, wie Du auf der Laufstrecke gehabt hast. Ich hatte jedenfalls viel Spaß dabei, Dir zuzusehen und habe mich immer ehrlich mit Dir gefreut. Danke, Alter!

Dein Tankred


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