Vienna City Marathon 2015 – Lasse laufen – warum dabei sein wirklich ALLES sein kann

von Run Munich Run am 14. April 2015

Der erste Lauf im Ausland, ich habe ihn „hinter mir“. Vergangenen Sonntag bin ich, fast zeitgleich mit Anna Hahner, den Vienna City Marathon gelaufen. Sie ist nur kurz vor mir gestartet und kurz nach mir ins Ziel gekommen. Im Gegensatz zu ihr bin ich allerdings „nur“ den Halbmarathon gelaufen. Beide haben wir unser ursprüngliches Ziel (Titelverteidigung/neue Bestzeit vs. „unter 1:50h bleiben“) verfehlt.

Beide standen wir dennoch völlig glücklich im Ziel. Und das ist doch das Schöne an unserem Sport. Er macht uns (oft) auch dann glücklich, wenn wir nicht das erhoffte Ziel erreichen. Weil der Weg das Ziel ist. Ich kann natürlich an dieser Stelle nur für mich sprechen, deshalb erzähle ich mal, wie ich den Vienna City (Halb)Marathon erlebt habe.

Ich gewinne ja nie irgendwo was. Und Mails mit der Betreffzeile „Sie haben gewonnen!“ lösche ich eigentlich schon aus Gewohnheit. Diesmal glücklicherweise nicht, denn ich hatte einen Startplatz für Wien gewonnen! Ich war so durcheinander, dass ich den sogar abgeben wollte. Bis nach Wien fahren für einen Lauf? Vier Stunden hin, laufen, vier Stunden zurück? Das wäre doch irre! Glücklicherweise haben mir die Mädels vom „Club der Töchter München“ virtuell den Kopf gewaschen und mich überzeugt, dass ich selbst laufe. Außerdem war meine beste Freundin gleich angetan, ein Mädels-Wochenende daraus zu machen und gleich noch ein bisschen Sightseeing dran zu hängen.

Da der 20-Kilometer-Faschingslauf vor etwa zwei Monaten so gut lief, nahm ich mir auch mal wieder eine Zielzeit vor (nachdem ich vor zwei Jahren im dritten Anlauf endlich die Zwei-Stunden-Marke geknackt hatte, bin ich die folgenden Halbmarathons alle eher zum Spaß gelaufen). Unter 1:50h wollte ich bleiben. Ich wusste, dass das anstrengend werden würde, aber ich war mir auch sicher, dass ich das schaffen kann.

Obwohl es „nur“ ein Halbmarathon und nicht einmal mein erster war, war ich diesmal extrem aufgeregt. Unsere „Instagram-Clique“ hat mich in der kompletten Woche vorher mit so vielen lieben Worten zusätzlich gepusht, dass ich die Abfahrt nach Wien kaum erwarten konnte. Meine Freundin und ich kamen irgendwann nachmittags an, brachten unsere Sachen aufs Zimmer und machten uns auf den Weg zur Marathon-Messe, um dort meine Startunterlagen abzuholen. Dass ich aus dem Adidas-Block starten sollte, sah ich als gutes Omen an.

Wir waren dann noch kurz shoppen, Eis essen und Nudeln essen. Auf dem Rückweg ins Hotel haben uns noch mit Süßigkeiten eingedeckt.  Carboloading, ihr versteht mich?! 😉

An einem Sonntag 5 Uhr aufstehen ist wohl auch eher was für Verrückte – und wir mittendrin! Unser Hotel hatte extra für alle Starter die Frühstückszeit vorverlegt. Danach ging´s gleich zum Startbereich. Ich liebe die Atmosphäre am Start eines Laufs und bin deshalb gerne überpünktlich dort. Wie es sich für Wien gehört, wurde dort auch mal klassische Musik gespielt. Echt toll! Die Zeit bis zum Start zog sich hin und verging gleichzeitig irgendwie total schnell.

Meine Aufregung stieg weiter und nach ein paar Fotos und einer letzten Umarmung mit meiner Freundin quetschte ich mich in den Startblock. Kurz vor dem Start quetschte ich auch gleich nochmal ein paar Tränchen raus. Ich bin manchmal ein bisschen über-emotional und weine auch gerne vor Freude. Nachdem die Elite-Läufer und die erste „Starter-Welle“ auf die Strecke geschickt wurden, durften wir auch endlich los. Ich überlief die Startmatte und – FAIL! – merkte, dass mein GPS-Signal gerade wieder weg war. Naja, ich bin trotzdem mal losgelaufen und habe die Uhr halt erst gestartet, als ich wieder ein Signal hatte.

Wie es bei solchen Läufen eben so ist, war der Start sehr gemütlich, waren ja schließlich jede Menge Menschen auf der Straße. Alles kein Problem, dachte ich, am Anfang soll man ja eh nicht zu schnell rennen. Und das Feld entzerrt sich ja so nach ein bis zwei Kilometern. Dachte ich. Da hat sich nämlich gar nix entzerrt. Im Gegenteil. Bei Kilometer 5 gab es eine Versorgungsstelle und dort wurde die Strecke enger. Gleichzeitig standen wir Läufer dort kurz an, weil gerade keine Becher mehr in den Wasserwannen schwammen und erst neue ausgepackt werden müssen. Da stand ich so etwa eine Minute. Es gab Läufer, die haben da tatsächlich die FREIWILLIGEN Helfer angemotzt! Leute, die helfen kostenlos bei solchen Veranstaltungen, damit wir unser Hobby ausführen dürfen. Dafür stehe ich auch gerne mal kurz an; um den Weltrekord läuft von uns doch eh keiner. Zumal es ziemlich warm war und ich unterwegs einige LäuferInnen am Straßenrand liegen sah, die möglicherweise dehydriert waren.

Moment. Sagte ich bei Kilometer 5? Ich sag euch, diese ersten fünf Kilometer gingen so schnell vorbei, dass ich es kaum glauben sollte. Meine Wunschzeit habe ich dort übrigens bereits abgehakt. Es war warm und es war eng. Für ein paar Sekunden andere Läufer beiseite schubsen? Sicher nicht. Ich bin also von da an besonders entspannt gelaufen. Habe in Kameras gelacht, Kinderhände abgeklatscht und bei Kilometer 9 sogar versucht, meine Freundin anzurufen, um einen Treffpunkt auszumachen. Sie wollte irgendwo zwischen Kilometer 11 und 12 stehen und ich wollte ihr sagen, dass ich auf der linken Seite laufe. Ihr Handy ging jedoch nicht und meine Nachricht hat sie zu spät gelesen, um noch die Seite wechseln zu können. Wir haben uns also nicht gesehen.

Dafür flogen die Kilometer nur so an mir vorbei und ich hätte nahezu ewig weiterlaufen können. Ich habe noch nie einen Lauf erlebt, bei dem das Feld so lange so dicht aneinander bleibt. Gut, in München, wo ich bisher dreimal gestartet bin, läuft zum einen nur die Hälfte an Menschen und zum anderen starten Marathon- und Halbmarathonläufer nicht gemeinsam. Für mich war das unglaublich faszinierend. So viele, die das gleiche Hobby haben. Und so viele, die anderen bei der Ausübung zuschauen! Auch da hat München noch ein wenig Nachholbedarf…

Und dann war da auf einmal das Schild „Kilometer 20“. „Huch, schon vorbei?“ ging es mir durch den Kopf. Der letzte Kilometer kam mir irgendwie nochmal besonders kurz vor und am Abzweig für die Marathonläufer dachte ich kurzzeitig darüber nach, was wäre, wenn ich einfach weiterlaufen würde. Abends hatten wir bei Instagram noch Witze darüber gemacht. Wäre halt blöd gewesen, meine Freundin warten zu lassen, deshalb bin ich dann doch lieber ins Ziel gelaufen. 🙂

Kann es ein schöneres Ziel als den Heldenplatz geben? Abgesehen vom schönsten Ziel der Welt, welches bekanntlich in Schmiedefeld liegt, natürlich. Unglaublich tolle Kulisse und unglaublich tolle Stimmung dort.

Mit 1:54 Stunden war ich zwar deutlich langsamer als erhofft im Ziel, aber ich bin auch noch nie so entspannt gelaufen. Und ich war auch noch nie so zufrieden und glücklich im Ziel. Denn ich weiß, dass ich durchaus schneller hätte laufen können. Wenn es nicht so warm gewesen wäre. Und nicht so voll. Und ich nicht an jedem Stand Wasser getrunken hätte, was ja auch soooo viel Zeit kostet. Und…

Ach, ist doch egal. Ich bin einen Halbmarathon gelaufen und ich hatte jede Menge Spaß dabei. Wäre ich schneller gelaufen, hätte ich ja noch weniger Zeit zum Genießen gehabt.

Apropos Genuss: Nach einem kurzen Mittagsschläfchen gab´s übrigens Kaiserschmarrn. Und eine Fahrt mit dem Riesenrad im Prater. Und Pommes. Und ein Eis. Und Gummibärchen und Kekse. Und Sightseeing am Montag. Ein wirklich wunderschönes Wochenende.

Liebe run.de-Leser, der Vienna City Marathon hat mich (mal wieder) ein paar Dinge gelehrt und ich glaube, das sollten wir alle für uns verinnerlichen:

  • Habt Spaß beim Laufen. Das ist das allerwichtigste. Ihr erreicht euer vorgegebenes Zeitziel nicht? Na und? Dann vielleicht beim nächsten Mal!
  • Nehmt bitte Rücksicht aufeinander. Wegen ein paar Sekunden andere Läufer beiseite schubsen und diese vielleicht sogar zu Fall bringen? Geht gar nicht! Umgekehrt wäre es allerdings auch schön, wenn schwächere Läufer nicht mitten im Weg plötzlich stehen bleiben, sondern wenigstens zum Straßenrand laufen würden, um dort zu pausieren.
  • Liebe Freiwillige: Macht bitte weiter! Ihr ermöglicht uns erst unser Hobby und wir würden ganz schön dumm gucken, wenn ihr auf einmal nicht mehr da wärt. Dessen sollten sich vor allem die Läufer bewusst sein, die gerne auch mal schimpfen, wenn etwas nicht so klappt, wie sie es erwarten.

So, jetzt hab ich aber genug geschlaumeiert. Wo startet ihr demnächst? Unser nächstes Ziel ist der Wings for Life World Run und danach laufen wir über den Rennsteig. Seid ihr eher die Rekordjäger? Oder lauft ihr um des Laufens willen? Und/oder wegen der Medaillen?

In Wien gab es übrigens einen Stern. WUNDERSCHÖN!!!

Liebe Grüße und #keeponrunning,

eure Isabell


{ 2 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

Runningbirki April 15, 2015 um 13:23

Liebe Isabell es gibt NICHTS schöneres als Genussläufe.
Freut moch total für Dich das Du so viel Fun hattest.
Der Hinweis mit erhobenene Zeigefinger in Richtung Motzrunner ggü den Ehrenamtlichen ist super, mindestens genauso wie Danke sagen (mach ich immer, genauso wie loben).

Ein tolles Bild übrigens und der BlingBlingStern sieht toll aus, besser als manche Marathon Medaillie in Deutschland.

Ich wünsch Dir weiterhin viel faszinierende und Endorphindurchflutete Läufe.
Wir sehen uns (mindestens bei Instagram)
Herzlichst Birki die in 10 Tagen hoffentlich auch so strahlt wie Du

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Isabell April 16, 2015 um 11:05

Liebe Birki,

danke für deine lieben Worte.
Ich bin überzeugt davon, dass du viel Spaß haben wirst. Spätestens hinterher, wenn der Schmerz nachlässt 😀
In Sachen hübsche Medaille kann ich München empfehlen, dort gibt´s immer Herzen. <3

Ich finde auch, man sollte öfter Danke sagen und weniger motzen. Und auch mal Entschuldigung, wenn man jemanden anrempelt. Ich hab mich sogar bei denen entschuldigt, denen ich in den ausgefahrenen Ellbogen reingelaufen bin. HAHA: 🙂

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