Von der Revolution – Laufend Gutes Tun II – Kiew

von Sandra Mastropietro am 23. Juli 2014

Laufend Gutes Tun II – Kiew 

oder

Von der Revolution

„Jede Revolution war zuerst ein Gedanke im Kopf des Menschen.“

Ralph  Waldo Emerson

REVOLUTION. Ein Ausdruck, den viele von uns zum ersten Mal in der Jugendzeit bewusst wahrgenommen haben. Che Guevara, Sturm und Drang, erste Auflehnungen.

Laut Wikipedia verbirgt sich hinter dem französischstämmigen Wort ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgen. Er kann friedlich oder gewaltsam vor sich gehen.

Wir alle hier wissen, dass ein solcher Wandel aktuell in der Ukraine, kaum 2000 Kilometer östlich von uns, stattfindet. Da dies jedoch kein polit-Blog ist, sondern die „Memoiren“ einer leidenschaftlichen und leicht verrückten Hobbyläuferin, möchte ich Euch heute davon erzählen, dass auch Sport Sinnbild einer Revolution sein kann und wie diese den Menschen hilft und Hoffnung gibt.

Vor knapp zwei Wochen war meine Freundin Maria, mit der ich im September nach Kiew reise, in Ihrem Heimatland unterwegs und hat bewegende sowie beindruckende Geschichten aus der Ukraine mitgebracht. Sie erzählte vom Glauben an das Gute; von der Hoffnung die die Revolution mit sich bringt. Von Zusammenhalt und Nächstenliebe.

Als wir uns treffen um zu reden, erinnert Sie sich lächelnd an ihren vorletzten Aufenthalt in Kiew, damals als noch alles in Ordnung war.

„Es gibt -wie auch hier- unzählige Sport- und Laufvereine in Kiew und der ganzen Ukraine. Ich persönlich bin zu dieser Zeit mit dem Nike Running Club Kyiv gelaufen. Das ist ganz ähnlich wie bei uns organisiert – es gibt Trainerruns und Motto-Läufe.“ erinnert Sie sich.

„Als ich damals mit der Gruppe lief, haben wir uns im Zentrum Kiews, fast neben dem Maidan , der damals revolutionsfrei war, getroffen. Wir sind durch das historische Stadtviertel Podol gelaufen, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten. Die Strecke war sehr bergig und führte uns größtenteils über Kopfsteinpflaster. Unterwegs haben wir Stabi-Übungen und Lauf-ABC gemacht . Der Trainer war sehr streng … schummeln ging gar nicht.“ lacht Sie… gefolgt von einem langen Seufzer.

„Im Anschluss gab es Getränke und eine kurze Besprechung der zukünftigen Aktivitäten des Clubs… Die Stimmung war ausgelassen und positiv. Sport hilft den Menschen; egal in welcher Lebenslage….denn schon damals war nicht „alles in bester Ordnung“. Doch Laufen verbindet und lässt vergessen.“ Ihr Blick schweift ins Leere, Sie beißt auf Ihrer Unterlippe herum und verdrückt sich die Tränen.

„Weißt Du Süße, in meinem wunderschönen Kiew -so wie Du es von Gogol im ersten Blog zitierst- gibt es etwas ganz besonderes. Eine sportliche Sehenswürdigkeit… Im Hidropark; einem Naherholungsgebiet auf zwei Dnepr-Inseln, gibt es ein Open Air Gerätepark für Krafttraining aus sowjetischen Zeiten, der Kultstatus erlangt hat. Das ist das größte Open Air Gym der Welt, ca. 200 Geräte, 10 000 qm Fläche. Das Besondere daran; alles -wirklich alles- ist aus Schrott-Metal erbaut. Was für den einen ein Raupenband vom Panzer ist , ist für den anderen das Gewicht zum heben!“ Sie wischt sich eine Träne von der Wange, lächelt und schwelgt weiter in Erinnerungen.

„Ein einzigartiger Ort mit toller Atmosphäre, ein „Muss“ für jeden Sportler der Kiew besucht! Auch ich habe dort auch als Studentin trainiert…selbst im Winter! …bitte lass uns diesen Ort besuchen wenn wir dort sind… und er noch steht“ Ihre Stimme verebbt; ich umarme Sie und gebe Ihr mein Versprechen.

„Seit ich denken kann lassen die Menschen dort an den Geräten Ihre Emotionen… Ihren Frust und Ihre Sorgen. Sport ist Revolution. Jedes Mal aufs Neue. Sport wäscht die Seele; Sport beginnt im Kopf und endet in vollkommener körperlichen Zufriedenheit.“ Ich nicke. Wir liegen uns in den Armen; zählen die Tage bis zu unserer Abreise nach Kiew…noch 64… und Fragen uns was bis dahin  noch alles passiert.

Das Handy leuchtet auf; die Tagesschau-App…Neuigkeiten vom „abgestürzten“ Flugzeug in der Ukraine… ich mache mein Smartphone aus.

Nach einer längeren Pause lenke ich das Gesprächsthema auf das Projekt der Caritas, welches wir mit den gesammelten Spendengelder unterstützen wollen. Wieder weint Maria. Sie erzählt vom erlebten Elend der Kinder bei Ihrem letzten Besuch. Ich ergreife Ihre Hand.

„Wir können die Welt nicht retten; aber ein Stückchen besser machen..und das tun wir!“ murmle ich und umarme Sie.

Nach unserem Gespräch gehe ich eine große Runde laufen…“sacken lassen“. Mein Kopf droht zu platzen; zu viele Eindrücke, Gedanken, Emotionen…Revolution; welch kraftvolles Wort…welch kraftvolle Geschichten…Ereignisse…Schicksale.

Ich taumle…kämpfe gegen die Tränen an…möchte all die Kinder umarmen; den Ehefrauen, die Ihre Männer verloren haben, Mut zusprechen. Denke an meine eigenen Worte…“Wir können die Welt nicht retten; aber wir können sie ein Stück besser machen!“

Entschlossen widme ich mich dem Blogeintrag und möchte Eure Aufmerksamkeit auf jene lenken, denen es nicht so gut geht wie uns. Auf die, welche -ganz nah- und doch so fern unserer Luxusprobleme, täglich ums überleben kämpfen.

Abschließen möchte ich diesen Blog -trotz allem- mit etwas Schönem! Den allseits geliebten Stabi-Übungen 😀

Lunges (Ausfallschritt) in der Variation

Basic

Stellt Euch schulterbreit vor eine „Erhöhung“ (z.B. die geliebte Couch oder das Bett ;)) und platziert einen Fuß im Ausfallschritt nach hinten auf diese, die Arme zeigen gestreckt nach vorne.

Nun senkt das Standbein soweit ab, bis das Knie des „schwebenden Beines“ knapp über dem Boden ist. Die Belastung ist auf der Ferse; Eure Zehen sind entspannt; der Stand ist sicher.

Ihr führt die Übung richtig aus, wenn Euer Knie nicht über die Zehenspitze ragt. (Ist dies der Fall, bitte den Schritt größer machen)

In der Ausführung: Bein senken und Heben

Mein Vorschlag: Wechselseitig je 3 Sets a 10 Wiederholungen

Achtung: Je höher die Auflage, desto schwerer die Übung!

Advanced

Selbe Ausgangsposition wie bei der Basic Variante. Wenn Ihr Euer Standbein absenkt, nehme die Arme wechselseitig hinzu. Dann drückt Euch aus der „gebeugten“ Position in einen kleinen Sprung ab. Gerne könnt Ihr bei „der Landung“ in die Sprintposition gehen, das heißt; Eure Finger zur Stabilisierungshilfe nehmen.

Noch einmal zur Erinnerung an alle: Solch lästige Stabiübungen sind wichtig um die Rumpf- und Oberschenkelmuskulatur zu stärken. Das verbessert Euren Laufstil- sowie  -ökonomie und macht somit schneller 😀 Außerdem beugt ein gestärkter Rumpf Verletzungen vor.

Ich wünsche Euch eine wunderschöne Woche

Ganz liebe Grüße und #keeponrunning

Eure Sandra

Alle Artikel zu Kiew findet Ihr bei run.de unter folgendem Link: http://www.run.de/t/kiew/


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