Von Pai nach Luang Namtha – Take it as it comes, baby

von Tankred Dankmar am 9. Dezember 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Mein Dauerlauf durch Südostasien hat mich nun noch weiter Richtung Norden gebracht. Vor einer Woche habe ich Pai im äußersten Norden von Thailand verlassen und wollte eigentlich in die Laotische Hauptstadt Vientiane. Dummerweise konnte ich aber kein Busticket mehr bekommen, das mich rechtzeitig dorthin gebracht hätte. Da ich aber wegen meines auslaufenden Visums Thailand schnellstmöglich verlassen musste, nahm ich einfach den nächstbesten Bus, der irgendwohin nach Laos fuhr.

Und was soll ich sagen – wie immer bringen einen solche Entscheidungen an die besten Orte. Einfach der Nase nach, einfach mal das Glück entscheiden lassen, nehmen wie es kommt. Take it as it comes, baby. Das ganze Herumgeplane ist beim Reisen einfach nur ganz großer Mist. Eine ungefähre Route, ja, die kann man sich ruhig mal zusammenstellen. Aber alles andere ist, als würde man sich selber Steine in den Weg werfen.

Immer der Nase nach – entlang der ruhigen Reisfelder in Laos. Einfach wunderbar.

Bild: Sainamtha | CC BY-SA 3.0

Nun bin ich in Luang Namtha gelandet. Ich war zwar vor knapp 20 Jahren schon mal hier, aber Erinnerungen daran habe ich keine mehr und ich hatte es eigentlich auch nicht auf dem Zettel stehen, zumindest nicht als Reiseziel für die kommenden Monate. Ich wollte eigentlich einen Bogen nach Osten via Vientiane schlagen, um dann wieder Richtung Süden und via Bangkok auf die südthailändischen Inseln zu gelangen. Aber dieser Plan hat sich nun grundlegend geändert – zum Glück. Es hätte gar nicht besser kommen können.

Denn jetzt hat die schlimmste Zeit in Südostasien begonnen, zumindest für mich. Jetzt ist Hauptsaison und das heisst: Südostasien wird voll. Rollkoffertouristen und partybegeisterte Rucksackreisende bevölkern jetzt für knapp zweieinhalb Monate jeden Winkel, der hier halbwegs touristisch erschlossen ist. Und der von den dämlichen Reiseführern a la Lonely Planet und Stefan Loose angepriesen wird. Schlau ist es, dann dorthin zu gehen, wo keiner hingeht, oder wenigstens nicht so viele. An Orte, von denen ich weiß, dass sich nur noch eine Hand voll dorthin verirren.

Beschauliche Ruhe auch in der Hauptsaison – die Hauptstrasse von Luang Namtha

Bildlizenz: GFDL

In Pai zum Beispiel war ich insgesamt zwei Monate. Und selbst Anfang Oktober war es mir da schon zu voll, obwohl da noch Nebensaison ist. Aber Pai wird auch in allen Reiseführern angepriesen als Paradies für hippieske Backpacker in den Bergen. Viel Kiff, viel Live-Musik, viele Bars und so. Mir schleierhaft, warum es mich ausgerechnet dorthin getrieben hat, ich glaube, ich wollte nach der langen Zeit in der Mega-City Penang in Malaysia einfach mal Natur um mich herum haben. Die findet sich auch in Pai, ich habe ja darüber berichtet, wie schön man dort Trekking machen und Laufen kann.

Dummerweise ist es aber zu voll und Ihr könnt Euch vorstellen, was passiert ist, als die Hauptsaison langsam anfing: Pai verwandelte sich in eine einzige Partymeile, auf der man nicht mehr gerade aus gehen konnte und alle paar Meter von einem betrunkenen Backpacker angerempelt wurde. Weil Pai auch einfach noch nicht die infrastrukturellen Kapazitäten hat, um soviel Touristenvolk schlucken zu können und artgerecht zu versorgen. Schlimm. Und so gar nicht meins. Da machte auch der Dauerlauf irgendwann keinen Spaß mehr.

Ganz anders jetzt im Norden von Laos. Hier ist auch viel Natur. Die Trekkingstrecken sind noch schöner und die Berge sind noch höher. Die Menschen sind noch freundlicher und das Essen ist um Längen besser. Meine Unterkunft für zehn Dollar ist hier ein Palast, verglichen mit dem, was ich dafür in Pai bekommen habe. Abends wird es richtig schön kalt. Naja, für mich fühlt sich das kalt an. Es sind abends, wenn man hier gemütlich mit ein paar leiben Leuten zusammensitzt und das wohlschmeckende Beerlao trinkt, vielleicht so um die 18, 19 Grad. Da fange ich mittlerweile an zu frieren. Ich musste mir sogar Socken, Schuhe und ein langes, dickes Holzfällerhemd kaufen. Cool

Jammern auf höchsten Niveau wegen der ´Kälte´ - aber das hervorragende Beerlao entschädigt einen dafür.

Bildlizenz: CC

Aber diese Ruhe hier! Dafür nehme ich abends auch die Kälte ins Kauf, tagsüber ist es nämlich richtig angenehm bei 27, 28 Grad genau richtig für meinen Geschmack. Und Luang Namtha ist ein ruhiges Städtchen. Für nordlaotische Verhältnisse ist es mit knapp 3.500 Einwohner aber schon fast eine Großstadt. Das Beste daran: Es verirren sich nur noch eine Hand voll Touristen hier her, denn von hier aus gehen wunderbare Trekkingtouren los. Und hier gibt es nichts zu feiern und es gibt auch keine lauten Bars. Nein, die paar Touristen hier genießen tagsüber ihre Wanderungen und sitzen abends im Guest House zusammen, unterhalten sich entspannt, trinken gemütlich ein paar Bier zusammen und gehen früh schlafen.

Genau das habe ich jetzt mal wieder gebraucht. Und ich merke das auch sofort meinem Dauerlauf an. Hier trabe ich einfach auf ruhigen Strassen und kleinen Pfaden ganz sanft vor mich hin – mit einem Lächeln im Gesicht. Wenn ich in touristisch übervölkerten Gegenden bin, dann ist mein Lauf viel verbissener, viel fordernder, wird zum Kampf, weil ich selbst innendrin etwas steif bin. Bin ich jedoch an Orten wie diesem hier, ist alles in mir gelockert, entspannt, aber nicht schläfrig, zielgerichtet, aber offen. Ganz ehrlich: Hier stoppe ich noch nicht mal meine Zeiten. Ich laufe einfach vor mich hin und genieße jeden Schritt, als wenn es mein erster wäre.

Panoramablick auf Luang Namtha und die Berge

Bild: gemeinfrei

Tja, so laufe ich jetzt durch Nordlaos – und bleibe auch erstmal ein bisschen hier. Bis nächsten Monat Freunde aus Deutschland zu Besuch kommen, da geht´s dann wieder notgedrungen auf die südthailändischen Inseln. Aber ganz sicher erst nach Weihnachten und Neujahr, denn das ist die mit Abstand schlimmste Zeit dort. Voll ist dann gar kein Ausdruck mehr, es wird brechend voll und alles andere als schön. Aber daran will ich jetzt noch gar nicht denken. Jetzt geht es erstmal der Nase nach, so wie es eigentlich beim Reisen sein sollte.

Liebe laufende Gemeinde!

Ich kann Euch Luang Namtha im Norden des wundervollen Laos einfach nur wärmstens empfehlen. Hier könnt Ihr nach Herzenslust Trekken und Laufen und Ruhe und das Leben genießen. Aber denkt daran, Euch ein warmes Jäckchen und ein paar Socken einzupacken, zumindest, wenn Ihr so leicht friert wie ich. Ansonsten wünsche ich Euch viel Freude in der vorweihnachtlichen Zeit. Und bitte trinkt einen Glühwein für mich auf dem Weihnachtsmarkt mit. Denn das sind die kleinen Freuden, die ich hin und wieder dann doch mal vermisse. Wink

#keeponrunning

In diesem Sinne, Euer Tankred


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