Das Gesicht welches uns Läufer alle vereint!

von Tankred Dankmar am 21. September 2016

Da ich selber zur Zeit verletzungsbedingt immer noch nicht wieder laufen darf und Euch, liebe laufende Gemeinde, auch nicht schon wieder mit meiner Trübsal deswegen behelligen möchte, schreibe ich heute mal wieder über das Läuferleben der anderen.

So traurig das auch ist, was bleibt mir sonst, der ich zur Ruhe gedrängt werde, als mich an den Leistungen anderer Läufer zu laben und gleichzeititg darüber nachzudenken, wie schön es werden wird, wenn ich bald selber wieder auf die Piste kann? Aber um Letzteres soll es nun gar nicht gehen, sondern um anderer Leuts Spaß und Kampf beim Dauerlauf.

Für heute habe ich mir einmal zwei Läufer ausgesucht, die mich auf die eine oder andere Weise mit ihren Leistungen beeindrucken, obwohl sie unzerschiedlicher kaum sein könnten. Und dabei geht es gar nicht unbedingt um Höchstleistungen, die fast kein Normalsterblicher nachmachen kann, es geht weniger um die Ergebnisse als um den Stil, mit dem diese Personen Ihr ganz persönliches Läuferziel erreicht haben beziehungsweise auch noch weiter erreichen.

Denn sind wir ehrlich: Laufen ist vor allem eine Kopfsache und darüber hinaus eine Frage des Stils. Aber das wisst Ihr ja auch selber: Kein Läufer ähnelt einem anderen. Wir sind alle irgendwie ziemliche Ego-Pappnasen, die sich auf der Strecke austoben und sich selbst dabei etwas beweisen müssen. Ich kenne keinen Läufer, der nicht mit einer ordentlichen Portion Narzissmus zu kämpfen hat – auf und abseits der Laufstrecke. Und die beiden folgenden Läufer bilden da sicherlich keine Ausnahme, nehme ich nach einer Ferndiagnose einfach mal so an.

1. Der Turnschuh-Minsister Joscka Fischer

Joschka Fischer, eigentlich Josef Martin Fischer, Urgestein der Politiklandschaft in Deutschland und ebenso angefeindet und gehasst wie geehrt und beeindruckend in seinem Auftreten. Ich persönlich mochte ihn mehr als Steinewerfer denn als Außenminister, aber hier geht es ja schließlich nicht um Politik. Lassen wir also Joschka als Politiker mal ausnahmsweise außen vor.

Seine sportliche Leistung als Läufer ist allerdings von daher beeindruckend, als dass er irgendwann als bereits etablierter Politiker bemerkt hat, dass der ganze Stress und der dazugehörige ungesunde Lebenswandel in der oppositionellen Politik ihm alles andere als gut tat. Als Speerspitze der Grünen konnte er sich allerdings auch nicht einfach mal ein Sabbathjahr nehmen, um sich wieder fit zu kriegen. Nein, er wählte die Ochsentour, die aus politischen Tagesgeschäft UND sportlichem Ergeiz bestand.

Zwischen 1996 und 1998 hat Joschka  ´das Fass ´Fischer es hinbekommen, nicht nur durch eine Ernährungsumstellung von 112 kg auf 75 kg – bei einer Körpergröße von 1,81 Metern – abzuspecken, sondern außerdem für einen Marathon zu trainieren, den er dann auch erfolgreich in stolzen 3:41:36 Stunden in Hamburg gemeistert hat.

DAS muss dem Mann erstmal einer nachmachen. Und alleine den glücklich entrückten Gesichtsausdruck des ehemaligen ´Turnschuhministers´  beim Zieleinlauf zu sehen, war das mediale Echo auf sein Bestreben hin schon wert. Zu diesem Zeitpunkt war er übrigens gerade 50 Jahre alt geworden.

Und dann hat er auch noch eins drauf gesetzt und über seine Erfahrung dieser zwei Jahre ein herrlich zu lesendes Buch geschrieben, in dem es ausnahmsweise mal nicht um Politik geht, sondern nur um sein Leben als Läufer, inklusive Trainingsplänen und Ernährung. Letztes Jahr hat er auch wieder angefangen mit dem Laufen und rattert wieder seine 50 Kilometer die Woche ab – mit nunmehr 65 Jahren. Hut ab, Joschka. Schließlich werden wir alle nicht jünger. Die Tage des Steinewerfens sind gezählt.

Des Joschkas Turnschuhe aus Turnschuhministerzeiten. Für den Hamburg-Marathon hatte er wohl ein anderes Paar. Wink

Bild: Stephanmorgenstern | CC BY-SA3.0

2. Die jamaikanische Rennmaschine, auch genannt der Grinsekater Usain Bolt

Okay, Usain Bolt ist einfach mal ein Ausnahmeathlet und ich will hier auch nicht über seine zahlreichen Weltrekorde referieren, so beeindruckend diese auch sind. Naja, was soll´s, einmal kurz doch. Er ist der einzige Leichtathlet, dem es gelang, sein Double-Gold auf 100 und 200 Meter bei den olympischen Spielen zu verteigen – und das zweimal hintereinander. Bisher ist er neunfacher Olympiasieger und elffacher Weltmeister und Weltrekordhalter über 100 Meter sowie 200 Meter Einzel und 4×100 Meter Staffel. Er ist mehrfacher Sportler des Jahres und wird von vielen Experten als der beste Leichtathlet aller Zeiten bezeichnet.

Und wahrscheinlich auch deshalb ist er zur Zeit der bestbezahlte Sportler in der Geschichte der Leichtatheltik. Aber ich finde, was noch beeindruckender ist als seine Erfolge, ist die Art und Weise, wie er diese einheimst. Sein Stil ist das, was ihn unsterblich machen wird.

Die etwas älteren von Euch, also 40 plus, erinnern sich vielleicht noch an Ben Johnson, der damals ebenfalls beeindruckende Erfolge verbuchen konnte. Er und Carl Lewis lieferten sich regelmäßig Sprints, bei denen es um hunderste Sekunden ging. Ben Johnson fiel vor allem durch seine pure Kraft auf, er war ein strotzendes Muskelpaket und guckte immer wie ein Stier, der ein rotes Tuch sieht, sobald er in den Startblock stieg. Ganz anders Usain Bolt. Der sieht selbst kurz vor dem Start noch so aus, als würde er gleich in einen Kifferurlaub fahren.

Der Mann hat einfach Stil. Unvergessen sein Zieleinlauf nach 100 Meter Sprint, bei dem er auch noch seitlich zur Zielfotokamera guckt, lächelt und winkt. Außerdem sieht er nach 100 Meter in 9.58 Sekunden immer noch so aus, als wäre er noch gar nicht losgelaufen. Er ist unglaublich sympathisch, einfach ein Kerl, mit dem ich gerne mal ein Bier in Jamaika trinken gehen würde. Und diese sportliche Höchstleistungen kriegt er auch noch hin, obwohl er unter Skoliose leidet, einer S-förmigen Verkrümmung der Wirbelsäule, die er übrigens von Herrn Dr. Müller-Wohlfahrt, Mannschaftarzt beim FC Bayern München, behandeln lässt.

Usain Bolt in vollem Lauf, ausnahmsweise mal nicht breit grinsend – aber irgendwie immer noch unangestrengt.

Bild: Erik van Leeuwen (bron: Wikipedia). – www.erki.nl |GNU

Zwei Läufer, ein Gesicht

Es könnten keine zwei Läufer unterschiedlicher sein, als Joschka und Usain. Wirklich nicht. Aber eines haben sie doch gemeisam, nämlich dass sie einfach ihr Ding durchziehen, da, irgendwo ganz allein auf der Strecke. Der eine tut das mit einem Lächeln im Gesicht unter 10 Sekunden in den großen Sportarenen dieser Welt, der anderen begibt sich auf einen langen Lauf zu sich selbst an der Elbe und braucht ein paar Stunden.

Was noch gleich ist? Dieser Gesichtsausdruck, wenn sie im Ziel ankommen. Dieses freudige Erwachen, diese Entrücktheit, dieses Wohlgefühl, wenn sie angekommen sind. Und beide sehen fast so aus, als wollten sie sofort wieder loslaufen. Weil Laufen einfach Spaß macht!

In diesem Sinne,

Euer Tankred


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