Wieso Jogger keine richtigen Läufer sind, und wie zu viel Wasser beim Laufen tödlich sein kann!

von Tankred Dankmar am 18. Mai 2017

Liebe laufende Gemeinde! Es gibt Dinge im Laufsport, von denen habe ich auch noch nie etwas gehört. Unerklärliche, auf den ersten Blick unlogische Vorkommnisse, Eigenarten der Läufergemeinde, die mir bisher verborgen geblieben sind oder schlicht neue Gedanken meinerseits, die ich so noch nie hatte.

Oder mit anderen Worten: Ich stelle gerade fest, dass ich selbst nach über zehn Jahren aktivem, leidenschaftlichem Laufsport anscheinend noch lange nicht alles darüber weiß – was irgendwie erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass es ja „nur“ ums Laufen geht und nicht um Raketenwissenschaften. Oder wusstet Ihr, dass….

ein Läufer an zu viel Wasser gestorben ist?

Ich habe vor kurzem beim morgendlichen Eiskaffee einen Artikel gelesen, in dem darüber berichtet wurde, wie ein Mann nach einem Marathon am Ziel zuerst kollabiert und dann GESTORBEN ist. Das Kollabieren ist an der Story wohl nicht weiter verwunderlich. Das passiert den besten schon mal. Dass er gestorben ist, ist wiederum natürlich tragisch und selbst unter Läufern recht selten. Es wäre aber noch verständlich, wenn er an einem Hitzschlag oder Herzinfarkt oder so etwas dahingerafft worden wäre. Ist er aber nicht. Er war schlicht dehydriert.

Eine todernste Sache – Dehydrierung – und der Feind jedes Läufers. ABER…. (Bild: Public Domain)

Nun, das erste, was einem dazu normalerweise einfällt, ist: selber Schuld, der Depp! Warum trinkt er auch nicht bei einem Marathon? Nur wirkliche Nerds laufen die 42 Komma irgendwas Kilometer, ohne dabei zu trinken. Das ist auch absolut richtig, in dem Fall aber leider nicht zutreffend. Der Mann hatte ZU VIEL WASSER während des Gewaltmarsches getrunken. Ja, ZU VIEL! WASSER! Und war trotzdem dehydriert. Komisch, was?

Dass das überhaupt möglich ist, wusste ich bis dato auch nicht. Aber wenn man die fachmedizinische Erklärung dazu hört, klingt es wieder ziemlich logisch. Der Mann hatte nämlich einfach so viel Wasser beim Rennen in sich rein gekippt, dass er auch geschwitzt hat wie ein Schwein. Überdurchschnittlich viel, ja, ungesund viel geschwitzt. Und dadurch ist eben auch sämtliches Natrium aus seinem Körper gespült worden. Und Natrium ist das wichtigste Element für eine gesunde Hydrierung.

Machen wir es kurz: Er hätte sich zwischendurch auch mal ein entsprechendes Getränk zur Hydrierung während des Laufs gönnen sollen. Oder einfach nicht SO VIEL WASSER trinken. Und wenn ich darüber nachdenke, dann kommt mir das nicht nur logisch vor, sondern dass ich diese Erfahrungen auch schon gemacht habe. Also nicht die mit dem Sterben natürlich, aber die mit dem „zu viel Wasser ist auch nicht gut“.

Da ich ja in den Tropen laufe, schwitze ich beim Laufen enorm. Es ist IMMER weit über 30 Grad, auch abends. Und normalerweise versuche ich vor einem durchschnittlichen Lauf, der ungefähr acht bis zwölf Kilometer weit ist, vorher so viel Wasser zu trinken, wie irgendwie möglich ist. Ich mag es einfach nicht, beim Laufen eine Flasche dabei zu haben oder auch nur anzuhalten, um irgendwo was zu trinken. Ist nicht so meins. Gepäck finde ich beim Laufen doof, genauso, wie ich es unsportlich finde, anzuhalten.

Es gibt aber auch Tage, da laufe ich relativ spontan einfach mal los. Da habe ich vorher natürlich deutlich weniger getrunken. Und auf den ersten Kilometern schwitze ich dann wie ein Schwein und mache meinen Wasserhaushalt leer. Irgendwann merke ich, dass ich kaum noch schwitze und erkläre mir das natürlich dadurch, dass der tank eben leer ist.

Und dann frage ich mich normalerweise, ob das noch gesund ist und warte eigentlich nur darauf, dass mir gleich schwindelig wird, weil Dehydrierung. Seltsamerweise fällt mir das Laufen ab diesem Zeitpunkt aber etwas einfacher. Und jetzt weiß ich auch, warum. Mag ja sein, dass ich nicht mehr schwitze wie ein Schwein im Galopp, aber der Elektrolyte-Haushalt ist wohl noch ganz in Ordnung. Und der Körper fühlt sich wohl auch wohler, wenn er die guten Elektrolyte nicht mehr so inflationär raus spült.

Ein bisschen Schwitzen tut dem Körper beim Laufen natürlich gut, da es abkühlt. Zu viel davon ist allerdings anscheinend kontraproduktiv.

 

Bild: Chris Hunkeler via flixkr | CCBY-SA 2.0

Nachdem ich diese Geschichte von „dem Läufer, der ZU VIEL WASSER trank“ gelesen habe, wird mir allerdings einiges klar. Ich würde zwar keinen Marathon ohne Wasser laufen wollen, aber zu viel ist eben manchmal nicht genug. Genug ist, wenn der Körper optimal arbeiten kann – und nicht, wenn man den Wettbewerb gewonnen hat, wer auf der Strecke am meisten Wasser trinken kann.

Oder wusstet ihr, dass….

Jogger keine richtigen Läufer sind?

„Richtige“ Sportler wollen sich so gut wie in jeder Sportart von dem Kroppzeug absetzen. Und da sportliche Erfolge manchmal nicht genug sind, flüchtet man sich eben in Begrifflichkeiten. Und normalerweise gibt es da eine ganz klare Unterscheidung. Es gibt die „Profis“, und es gibt die „Amateure“. Ob Boxsport, Tennis, Golf oder Fußball – die einen machen das professionell, das heißt, sie machen auch nichts anderes mehr und verdienen damit meistens auch ihr Geld – und es gibt „die Anderen“.

Ich dachte bisher ja eigentlich, diese Unterscheidung gibt es beim Laufen auch. Die einen sind „professionelle“ Leichtathleten, während alle anderen einfach Hobby-Läufer sind. Ob man da jetzt einen Halbmarathon in 1:30 rennt oder in 2:45 gemütlich hinter sich bringt, ich dachte, ein (Hobby)-Läufer ist ein Läufer ist ein Läufer. Aber auch diesbezüglich wurde ich durch einen Kaffee-morgendlichen Artikel kürzlich eines besseren belehrt.

In diesem wurde ich darüber aufgeklärt, dass es auf der einen Seiten „Läufer“ gibt, und auf der anderen Seite „Jogger“. Und ich habe nachgeschaut, woher das Wort „joggen“ eigentlich kommt. Und siehe da: eine Bedeutung des englischen Verbs „to jog“ ist „daher trotten“. Und „trotten zu gehen“ ist nun wirklich etwas anderes, als heroisch und mit stolz geschwellter Brust „zu laufen“. Das macht Sinn, habe ich mir gedacht.

Okay, wer mit Hund an der Leine über den Strand „läuft“, ist wohl ein „Jogger“. Mit professionellem Hobby-Laufen hat das nicht mehr viel zu tun.

 

Bild: celling | CC BY 2.0

Nun wird das Wort „Jogger“ aber etwas disrespektierlich von „Läufern“ benutzt. Und ein „Jogger“ in diesem Sinne würde sich auch selbst nie „Jogger“ nennen, genauso wenig wie sich ein „Hipster“ freiwillig als „Hipster“ bezeichnet. Denn beides sind in unserem modernen Sprachgebrauch quasi Unworte, die man vielleicht für andere gebraucht, niemals aber für sich selbst. 

Deshalb wie gesagt: „Läufer“ bezeichnen die als „Jogger“, die es nicht ganz so ernst nehmen. Die ohne Trainingsplan und die ständige Verbesserung der Bestzeiten auskommen. Die nicht alle zwei Monate auf einem Wettkampf erscheinen und mit den Hufen scharren. Die einen sind „die Läufer“, während das Kroppzeug, das einen Halbmarathon unter 2:00 läuft oder gar nicht erst schafft, in der Welt der laufenden Gemeinde „die Jogger“ sind.

Wusste ich bis dahin auch nicht. Ich war davon ausgegangen, dass alle Hobby-Läufer auch Jogger sind. Das man die beiden Wörter synomym verwenden kann. Dachte ich, musste mich aber auch gleichzeitig fragen, ob ich selbst denn nun ein „Läufer“ oder ein „Jogger“ bin?

Mein erster Impuls: NATÜRLICH gehöre ich zur Elite, bin Läufer durch und durch. Ich mache mindestens zwei Halbmarathons pro Jahr, ich achte auch beim „normalen“ Lauf ein bisschen auf meine Zeiten etc. Aber einen Trainingsplan verfolge ich nun auch nicht gerade. Und so genau nehme ich das mit den Zeiten auch nicht, ich schau mal auf die Uhr, wenn ich loslaufe und wenn ich wieder ankomme, um ehrlich zu sein. Mehr aber auch nicht. Und manchmal laufe ich auch eine Woche lang überhaupt nicht, weil ich meinen Arsch einfach nicht hoch kriege.

Bin ich jetzt ein „Läufer“ oder ein „Jogger“? Und was von beiden will ich eigentlich sein? Gretchenfrage. Und wenn ich keins von beiden bin, was bin ich dann eigentlich? Eine laufender Jogger oder ein joggender Läufer?

Es gibt Fragen, die kann man nur bei einem Bier beantworten!

Und genau das werde ich jetzt auch tun. Hauptsache, ich trinke nicht ZU VIEL Wasser. Und angeblich ist Bier ja auch voll mit Elektrolyten. Heute bleiben die Laufschuhe jedenfalls hängen. Ich muss mir als Läufer/Jogger wichtige Fragen stellen und beantworten.

Liebe laufende Gemeinde! Prost und bis bald – hoffentlich mit Antworten

Euer Tankred


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