Zielgerichtetes Training: Macht euch nichts vor!

von run.de am 28. März 2014

Die Studie ist schon ein wenig älter und es gibt mittlerweile einige vergleichbare Studien. Die Aussagekraft bleibt jedoch in aller Regel die gleiche. Jeder Teilnehmer an einer in Taiwan durchgeführten Studie musste eine Pille schlucken. Der einen Hälfte der Probanden wurde gesagt, dass es sich bei dieser Pille um ein Multivitamin-Produkt handelte. Der anderen Hälfte wurde erklärt, es handele sich um ein Placebo – was die Pille auch tatsächlich war.

Im Zeitablauf wurden weitere Tests mit den Probanden durchgeführt. Diejenigen, die davon ausgegangen sind, eine Multivitamin-Pille geschluckt zu haben, tendierten zum Beispiel dazu, sich beim Mittagessen ungesünder zu ernähren und bei einer sportlichen Aufgabe weniger Ehrgeiz zu entwickeln als die Probanden, die von einem Placebo ausgingen. Der Glaube an die Vitaminpille reichte aus, dass man sich für eine gute eigene Gesundheit gut gerüstet sah, so dass man bei seinem übrigen gesundheitsrelevanten Verhalten schludern konnte.

Bild: Anders Sandberg | CC BY 2.0

Aber was hat das nun mit dem Laufen zu tun?

Offensichtlich neigen wir Menschen dazu, das eine oder andere sinnvolle zu schludern, wenn wir glauben, dazu die Berechtigung zu haben. Diese Berechtigung holen wir uns durch andere “gute Taten”. Wer zum Beispiel gerne lange und langsame Läufe macht, wird zu entschuldigen wissen, dass man die eine oder andere Tempoeinheit geschludert hat. Dafür ist man halt an anderen Tagen länger gelaufen. Anderes Beispiel: Wer seine Laufrunde schneller absolviert hat als sonst, kann abends auch beim Abendessen richtig zulangen, obwohl man da eigentlich auf Kohlenhydrate verzichten wollte …

Keine Ausreden und Alibis

Das ist in vielen Fällen völlig in Ordnung. Man sollte sein Training, sein Verhalten und seine Ernährung aber dennoch insgesamt seinen Zielen unterordnen, wenn man nicht allein “just for fun” laufen geht sondern auch positive Trainingseffekte erzielen möchte. Zudem kann dieses allzu menschliche Verhalten an der einen oder anderen Stelle auch gefährlich werden. Das gilt zum Beispiel dann, wenn ein Läufer vor seinen Trainingseinheiten Schmerzmittel schluckt, um die muskulären Probleme nicht allzu schmerzhaft zu spüren. Hier haben die Schmerzmittel nur dauerhaft keinen positiven Effekt. Der Grund für den Schmerz kann sich sogar noch verstärken, wenn man ihm nicht richtig auf den Grund geht. Auch können Energie-Riegel, Gels und andere Power-Snacks und Getränke im Training und im Wettkampf allenfalls unterstützen. Wer auf diese Unterstützung setzen mag, sollte sich im Klaren darüber sein, dass damit nicht ein einziger nicht gelaufener Kilometer im Training kompensiert werden kann.

Fazit: 

Wer mit einem gesunden Menschenverstand an die Sache heran geht, wird vieles schon intuitiv richtig machen. Wichtig ist es, sich nicht selbst zu betrügen und nach Kompensationsmöglichkeiten für ein ordentliches Training oder eine sinnvolle Ernährung zu suchen. Dann ist man schon auf der richtigen Spur.


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